Was erregt deinen Zorn? »Dumme Leute erregen meinen Zorn, weil ich mit dummen Leuten eher zu tun habe als mit den Mächtigen oder Feiglingen. Als Dramatiker komme ich ohne Zorn nicht weit. Zorn erzeugt Helden eher als Mitleid.« Braucht der Mensch Geschichten? »Der Mensch liebt es, wenn in der Höhle schön was erzählt wird! Sonst würden nicht jeden Abend zig Millionen Menschen vor dem Fernseher hocken. Welche Geschichten jemand vorzieht, gilt auch heute noch als Beleg dafür, zu welcher "Kaste“ er gehört. Zugang hat jeder. Heute kann sich jeder die Geschichte runterladen und hören, die er mag. Und man stört sich auch nicht. Jeder hat seine eigenen Kopfhörer. Aktionen im Theater haben natürlich noch immer ihren Reiz, weil viele zusammen sich anschauen, wie einige wenige sich aufführen. Noch was zur ersten Frage. Die Ilias fängt so an: „Singe den Zorn, o Göttin, des Peleiaden Achilleus, Ihn, der entbrannt den Achaiern unnennbaren Jammer erregte, Und viel tapfere Seelen der Heldensöhne zum Aïs Sendete, aber sie selbst zum Raub darstellte den Hunden.“ Danach legen die Helden dann los.«

Geboren am 28. Mai 1958 in Bonn, aufgewachsen in Hamburg, lebt seit 1982 in Berlin. Studium der Architektur und Religionsphilosophie in Berlin und London, wo er bis 1994 als Architekt arbeitet. Nach seinem Diplom 1987 verbringt er ein Jahr im Kloster der Abdije Affligem bei Brüssel. Dort arbeitet er an der Übertragung architektonischer Kompositionsgesetze in chorische Sprachkompositionen und erprobt sie mit den dort lebenden Mönchen. 1988 gründet er in Berlin das Brüssel-Projekt, mit dem er seine Chorstücke auf der Bühne realisiert. Seit 2000 macht Matthias Wittekindt keine Regiearbeiten mehr. Einzige Ausnahme „Die Unerreichbaren“ für das Ballhaus Ost, zusammen mit Axel Wandtke. Neben seiner Tätigkeit als Theater- und Hörspielautor schreibt Matthias Wittekindt Dokumentationen fürs Fernsehen. Für seine Arbeiten wird er mit mehrere Preisen ausgezeichnet. Er ist einer der erfolgreichsten deutschsprachigen Hörspielautoren.